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Mikado in Groß - Translozierung einer Fachwerkscheune ins Fränkische Freilandmuseum
05.12.2019 436907:34 Uhr
Veranstaltungs-Info:
  • 05.12.2019
  • 436907:34 - 436907:34
  • Fränkisches Freilandmuseum
  • Fränkisches Freilandmuseum

Mikado in Groß - Translozierung einer Fachwerkscheune ins Fränkische Freilandmuseum

Derzeit baut das Fränkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Unterlindelbach bei Igensdorf im Landkreis Forchheim eine historische Fachwerkscheune ab. Balken für Balken wird das Gebäude vom Ende des 17. Jahrhunderts von der Fachfirma Lederer zerlegt – fast wie beim Mikado. Zeitnah soll die Scheune in der Baugruppe Ost im Freilandmuseum wiederaufgebaut werden. Sie wird das Hofensemble mit dem zeitgleich erbauten Bauernhaus aus Unterlindebach vervollständigen, das bereits seit 2013 im Freilandmuseum steht.

Nicht mehr oft kommt es vor, dass Gebäude für eine Translozierung ins Freilandmuseum abgebaut werden. Vorrang haben die 15 Häuser, die bereits eingelagert sind und auf ihren Aufbau warten. Aber die Scheune aus Unterlindelbach ist etwas Besonderes. Denn das zugehörige Bauernhaus, das nach der Jahrringbestimmung zeitgleich im Jahre 1695/96 erbaut wurde und damit aus der Wiederaufbauphase nach dem Dreißigjährigen Krieg stammt, steht bereits im Museum. Museumsleiter Dr. Herbert May sieht es als einen Glücksfall an, dass ein Hofensemble im Museum aus ursprünglich zusammengehörigen Bauten besteht und nicht wie normalerweise aus Gebäuden zusammengesetzt wird, die aus unterschiedlichen Hofzusam-menhängen stammen. Nun ist die Scheune aus Unterlindelbach für ihr Alter in einem erstaunlich guten Zustand, auch wenn das Dach am Einstürzen war. Und die Eigentümerfamilie möchte auf dem Gelände eine Maschinenhalle errichten. So drängt der Abbau.


Rückbau für die Translozierung

Als ersten Schritt der Translozierung erfassen die Bauforscher das Gebäude in genauen Zeichnungen. Dort dokumentieren sie auch, wie sich das Gebäude über die Jahrhunderte verändert und verformt hat. Nachdem das Dach eingestürzt war, konnten die Fachleute zum Rückbau nicht mehr auf das Dach steigen, sondern müssen die alten handgestrichenen Ziegel mit einem Arbeitskorb abnehmen. Die Ziegel werden dann sorgfältig in Gitterboxen gesammelt, um am neuen Ort wiederverwendet zu werden. Das hölzerne Gefüge dagegen kann relativ gut Balken für Balken zerlegt werden. Damit die Balken später wieder zugeordnet werden können, wird jeder einzelne Balken mit einem Blechschild markiert und nummeriert. Diese Nummern werden im gezeichneten Plan festgehalten. Beim Zerlegen offenbart ein Gebäude seine Geschichte. Aus der Absparrung konnte rückgeschlossen werden, dass die Scheune früher mit Stroh gedeckt war. An der Südwand kam ein gut erhaltenes Lehmgeflecht zutage. Um dies zu bewahren, soll dieser Teil der Fachwerkwand nicht zerlegt, sondern im Ganzen verlagert werden.

Hofensemble Unterlindelbach

Die Unterlindelbacher Scheune gehört zu einem Wohnstallhaus, einem sogenanntes „Breiten Haus“. Diese Bezeichnung erschließt sich sofort, wenn man im Museum vor dem mächtigen Giebel steht: Breit und behäbig liegt das Haus da, innen mit großzügigem Grundriss, vor allem mit einem ausge-sprochen geräumigen Flur, durch den einst das Vieh hinein- und hinausgeführt wurde. Die dazugehörige, im Grundriss annähernd quadratische Scheune (14 x 14,5 m) weist nach der Jahrringbestimmung exakt das glei-che Erbauungsdatum auf: 1695/96. Zu diesem Zeitpunkt ist also die komplette Hofanlage – Wohnstallhaus und Scheune – vollständig neu errichtet worden, nachdem die Vorgängerbebauung im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Die Scheune erweist sich in der Grundfläche ähnlich großzügig wie das Wohnstallhaus und dokumentiert damit die einstige Größe des Bauernhofes. Der dreiseitig gebretterte Fachwerkbau besitzt eine giebelseitige Einfahrt, das dreigeschossige Dach mit liegenden Dachstühlen war nach den derzeitigen Erkenntnissen ursprünglich mit Halbwalmen und Firstöffnungen ausgestattet sowie mit Stroh gedeckt. Stroh, Heu und Getreide war es auch, die in der Vorratsscheune früher gelagert waren. Für die Tiere gab es noch einen eigenen Stall.

Aufbau und Nutzung im Freilandmuseum

Dank der Finanzierung durch die Oberfranken Stiftung konnte die Translozierung nun schnell erfolgen. Die Unterlindelbacher Scheune soll nun zeitnah wiederaufgebaut werden und eine Ausstellung zum Obstanbau in der Frän-kischen Schweiz aufnehmen. Das Scheunengebäude wird mit dem dazugehörige und bereits wiederaufgebauten Wohnstallhaus, das mit seinem rot leuchtenden Fachwerk ein Besuchermagnet ist, einen typischen Vollbauernhof aus der südlichen Fränkischen Schweiz in der Form einer unregelmäßig offenen Hofanlage repräsentieren.

Armin Nögel

Mitarbeiter Tourist-Information Entspannungsangebote

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