Die ehemals freie Reichsstadt Windsheim
Erstmals 741 urkundlich erwähnt, entwickelte sich Bad Windsheim von einer kleinen Ansiedlung („Uuinedisheim“) mit Martinskirche zu einer bedeutenden Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches. Nur wenige fränkische Städte wie Rothenburg, Dinkelsbühl oder Nürnberg teilten diesen Status, direkt dem Kaiser unterstellt. Dieses historische Erbe legte den Grundstein für den Wohlstand der Stadt und prägt bis heute das architektonische Stadtbild, das Besucher aus nah und fern begeistert.

- Home
- Geschichte
Chronik Bad Windsheim

6. Jh.
Fränkische Landnahme: Besiedlung der Windsheimer Bucht. Der Ortsname „Windsheim“ geht auf den althochdeutschen Begriff „Zu dem Heim des Winid“ zurück und verweist auf slawische Frühbewohner, die von fränkischen Siedlern abgelöst wurden.

741
Erster urkundlicher Hinweis auf Windsheim (Uuinidesheim): Anlässlich der Gründung der Diözese Würzburg schenkte Herzog Karlmann der Domkirche die Windsheimer Martinskirche, die dem Heiligen Martin geweiht war. Das Original der Urkunde ist nicht erhalten – sie verbrannte 874 beim Brand des Würzburger Doms.

822
Kaiser Ludwig der Fromme bestätigt in einer Urkunde, dass die ehemals königliche Pfarrkirche St. Martin dem Bischof von Würzburg gehörte (Schenkung von Uuinisheim). Dies ist die älteste erhaltene Urkunde mit Bezug auf Windsheim.
1198/99
Gründung des würzburgischen Marktortes Windsheim. Die Würzburger Bischöfe erheben den Ort zum Marktflecken und legen damit den Grundstein für die spätere städtische Entwicklung.
1234
Windsheim wird erstmals urkundlich als Markt genannt. Der regelmäßige Marktbetrieb macht die Stadt zu einem regionalen Handelszentrum und fördert Wohlstand und Wachstum.

1235
Abtretung Windsheims an den Kaiser durch den Bischof von Würzburg. Die Stadt wechselt in die unmittelbare Reichshoheit – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Freien Reichsstadt.
1284
Windsheim wird erstmals urkundlich als Stadt belegt und erlangt danach den Status einer Reichsstadt. Als solche unterstand sie direkt dem Kaiser – ein Privileg, das nur wenigen fränkischen Städten zuteil wurde.

1289
Erste urkundliche Erwähnung der Kilians-Kirche. St. Kilian war neben St. Martin eine der prägenden Kirchen der Stadt. Das heutige barocke Gotteshaus entstand nach dem Stadtbrand von 1730 neu.
1295
König Adolf von Nassau bestätigt Windsheim als Reichsstadt und gewährt ihr die eigene Gerichtsbarkeit. Damit erreicht die Stadt ihre volle rechtliche Autonomie und ist fortan direkt dem Kaiser unterstellt – krönendes Ergebnis der Bestrebungen des 13. Jahrhunderts.

1302
Erste urkundliche Erwähnung der ersten Stadtmauer. Die Befestigungsanlage aus dem späten 13. Jahrhundert schützte die wachsende Reichsstadt und wurde bis 1434 mehrfach erweitert. Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind bis heute im Stadtbild sichtbar.

1318
Stiftung eines Spitals zu Ehren des Heiligen Geistes mit Kapelle, der Spitalkirche. Das Heilig-Geist-Spital war eine soziale Institution zur Versorgung von Armen, Kranken und Pilgern – das mittelalterliche Pendant eines sozialen Netzes. Das Gebäude wurde später zum Museum „Kirche in Franken“ umgebaut.

1347
Kaiser Karl IV. verpfändet die Reichsstadt Windsheim zusammen mit Weißenburg für 14.000 Mark Silber an die Burggrafen Johann und Albrecht von Nürnberg. 1360 befreit sich Windsheim gegen Zahlung von 28.000 Gulden aus dieser Pfandschaft – ein Beweis für die wirtschaftliche Stärke der Bürgerschaft. Als Lohn erhält die Stadt die Zusage künftiger Unverpfändbarkeit.

1393/94
Erste Erwähnung eines Schulmeisters der Lateinschule (später Gymnasium). Die städtische Schule war ein Zeichen des kulturellen Selbstverständnisses und des Bildungsanspruchs der Reichsstadt.

1400
Stiftung der Seekapelle, 1402 geweiht. Die Kapelle am Stadtrand zeugt vom religiösen Leben und der Stiftungsfreude der wohlhabenden Windsheimer Bürgerschaft im ausgehenden Mittelalter.
1424–1434
Erweiterung der Stadtbefestigung in mehreren Bauphasen. Windsheim beteiligt sich zudem am Schwäbischen Bund und ist Mitunterzeichner des fränkischen Landfriedens – die Stadt befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung als Reichsstadt.

1525
Einführung der Reformation durch den Rat der Freien Reichsstadt. Das Augustinerkloster wird der Stadt übergeben. Zuvor erschüttern Bauernkrieg und Bürgerunruhen die Region. Windsheim schlägt sich früh auf die Seite der Reformation.
1530
Unterzeichnung der Confessio Augustana – des lutherischen Glaubensbekenntnisses – durch die Reichsstadt Windsheim. Bereits 1529 hatte Windsheim in Speyer protestiert. Als kleine Reichsstadt zeigt Windsheim politischen Mut. Sie ist fortan eine rein protestantische Reichsstadt.
1596/1597
Hexenprozesse in Windsheim: 25 Frauen werden hingerichtet. Die Prozesse fallen in eine Zeit des Aberglaubens und sozialer Spannungen, die weite Teile des Heiligen Römischen Reiches erfassen. Windsheim ist kein Einzelfall – in ganz Franken werden in dieser Zeit zahlreiche Menschen als Hexen verurteilt.

1618–1648
Dreißigjähriger Krieg: Windsheim leidet unter zahlreichen Einquartierungen, Durchzügen und Plünderungen. Feldherren wie Gustav Adolf, Tilly, Pappenheim und Wrangel nehmen Quartier in der Stadt. Bevölkerung und Wirtschaft werden schwer getroffen.
1632
König Gustav Adolf von Schweden weilt zweimal in Windsheim. Der schwedische König, Anführer der protestantischen Seite im Dreißigjährigen Krieg, nutzt Windsheim als Stützpunkt auf seinem Feldzug durch Franken.

1670–1696
Bürgermeister Melchior Adam Pastorius amtiert in Windsheim. Sein Sohn Franz Daniel Pastorius (geb. 1651 in Sommerhausen) wird 1683 Wegbereiter der ersten deutschen Einwanderer in Nordamerika und gründet Germantown in Pennsylvania – die erste deutsche Siedlung in der Neuen Welt.

1709
Georg Wilhelm Steller wird in Windsheim geboren. Der Arzt und Naturforscher begleitete 1741 Vitus Bering auf seiner Entdeckungsexpedition nach Alaska und auf die Aleuten – als erster Wissenschaftler, der nordamerikanischen Boden betrat. Er starb am 12. November 1746 in Tjumen, Sibirien. Der nach ihm benannte Stellersche Seelöwe trägt bis heute seinen Namen. Steller gilt als der berühmteste Sohn der Stadt.

1713–1717
Bau des schlossartigen barocken Rathauses durch Johann Michael Aspacher und Giovanni Rigaglia. Das repräsentative Gebäude am Marktplatz ist bis heute das architektonische Wahrzeichen Bad Windsheims und eines der schönsten Barockrathäuser Frankens.
1730
Am 3. Dezember 1730 zerstört eine verheerende Feuersbrunst den Stadtkern Windsheims. Große Teile der historischen Bebauung fallen den Flammen zum Opfer und erzwingen umfangreiche Wiederaufbaumaßnahmen.
1731–1733
Wiederaufbau des Rathauses nach dem Stadtbrand durch Stadtbaumeister Johann Nikolaus Krauß. Das neue Rathaus entsteht im barocken Stil und prägt den Marktplatz bis heute.
Wiedererrichtung von St. Kilian nach dem Stadtbrand durch den Ansbacher Hofmaurermeister Michael Braunstein und Stadtbaumeister Johann Nikolaus Krauß. Der Nordturm folgte 1738–1744 durch dessen Sohn Johann Michael Krauß. Die Kirche wurde im barocken Stil neu erbaut.

1752
Erster Hinweis auf eine Mineralquelle im Windsheimer Gebiet – ein frühes Vorzeichen der später entdeckten Solequellen, die Bad Windsheim zu einem der bedeutendsten Heilbäder Frankens machen sollten.

1802–1803
Ende der Ära als Freie Reichsstadt: Im Zuge der napoleonischen Neuordnung Europas verliert Windsheim wie alle Reichsstädte seinen Sonderstatus. Nach über 500 Jahren endet die städtische Selbstverwaltung.

1804–1809
Windsheim wechselt in kurzer Folge unter preußische, französische, österreichische und wieder französische Herrschaft – Ausdruck der politischen Wirren der napoleonischen Kriege in Süddeutschland.

1810
Windsheim kommt endgültig zum Königreich Bayern. Die Stadt wird Teil des neugegründeten Landkreises und integriert sich in die bayerische Verwaltungsstruktur.

1876–1883
Abbruch der mittelalterlichen Stadtmauern und Türme. Wie in vielen deutschen Städten des 19. Jahrhunderts werden die Befestigungsanlagen als Hindernis für Modernisierung und Stadtentwicklung abgebrochen.

1891
Entdeckung der ersten Heilquelle in Windsheim. Dieser Fund legt den Grundstein für die spätere Entwicklung zum anerkannten Heilbad und verändert die wirtschaftliche Zukunft der Stadt grundlegend.

1902
Erbohrung der ersten Solequelle im Kurpark. Die stark salzhaltige Sole eröffnet neue therapeutische Möglichkeiten. Solequellen in dieser Konzentration gehören zu den wertvollsten Heilwasservorkommen Europas – vergleichbar mit dem Toten Meer.

1906
Beginn der Heil- und Kurbadentwicklung: Das Kurhaus wird eröffnet und Windsheim entwickelt sich zum Kurort. Erstmals können Kurgäste die heilenden Wirkungen der Sole systematisch für Haut-, Atemwegs- und Gelenkerkrankungen nutzen.

1907
Erbohrung der zweiten Solequelle – sie zählt zu den stärksten Solequellen Europas. Der Salzgehalt von über 26 Prozent macht die Windsheimer Sole für Haut- und Atemwegserkrankungen sowie Rheuma besonders wertvoll.

1955
Erbohrung der Kiliani-Trinkquelle. Das leicht mineralische Heilwasser ergänzt das therapeutische Angebot der Stadt und ermöglicht Trinkkuren als Ergänzung zur Solebadetherapie.

1961
Verleihung des Prädikates „Bad“ an die Stadt Windsheim durch den Freistaat Bayern. Die Stadt heißt fortan offiziell Bad Windsheim und bestätigt damit ihren Rang als anerkanntes Heilbad mit nachgewiesener Heilwirkung ihrer Quellen.

1972–1978
Gebietsreform: Die Ortschaften Berolzheim, Erkenbrechtshofen, Humprechtsau, Ickelheim, Külsheim, Lenkersheim, Oberntief, Rüdisbronn, Unterntief und Wiebelsheim werden eingemeindet. Bad Windsheim wächst zur heutigen Stadtgröße.

1974
Eröffnung des neuen Kurmittelhauses mit Sole-Hallenbad im Kurpark sowie des Kurhotels und der Seniorenresidenz. Die modernen Kureinrichtungen stärken Bad Windsheim als Gesundheitsdestination und ziehen Kurgäste aus ganz Deutschland an.

1975
Erbohrung des Augustinus-Brunnens – eine weitere Heilwasserquelle, die das therapeutische Angebot der Stadt erweitert. Zugleich beginnen die vorbereitenden Untersuchungen für die Altstadtsanierung: Die historische Altstadt mit ihrem wertvollen Fachwerk- und Barockbestand soll behutsam renoviert werden.

1976
Errichtung der Solegewinnungsanlage an der Hans-Schmotzer-Allee. Die neue Anlage sichert die industrielle Förderung der Sole für den wachsenden Kurbetrieb.

1978
Förmliche Festlegung von Sanierungsgebieten in der Altstadt. Mit dieser rechtlichen Grundlage beginnt die systematische Erneuerung des historischen Stadtkerns, die das heutige Erscheinungsbild Bad Windsheims maßgeblich prägt.

1979–1984
Errichtung des Schulzentrums bestehend aus Hauptschule, Wirtschaftsschule, Sonderschulen und Sportzentrum. Die neue Bildungsinfrastruktur dient den Schulen der gesamten Region.

1982
Eröffnung des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim. Das Museum präsentiert auf über 45 Hektar historische Gebäude aus ganz Franken – vom mittelalterlichen Bauernhof bis zum Handwerkerhaus. Es zählt heute zu den größten und bedeutendsten Freilichtmuseen Deutschlands mit jährlich über 200.000 Besuchern.

1986
Eröffnung des Mutter-und-Kind-Heims „Zur Solequelle“. Die Einrichtung nutzt die heilkräftige Sole für Mutter-Kind-Kuren und ergänzt das soziale und therapeutische Angebot der Stadt.

1993–1997
Sanierung, Umbau und Erweiterung des ehemaligen Spitals zu einem modernen Alten- und Pflegeheim mit Tages- und Kurzzeitpflege. Das historische Gebäude erhält so eine neue soziale Funktion.

1994–1995
Umfassende Modernisierung der Frankenland-Klinik, Rehabilitationsklinik der LVA Ober- und Mittelfranken. Die Klinik ist spezialisiert auf orthopädische und internistische Rehabilitation und nutzt die heilkräftige Sole als natürliches Heilmittel.

1995
Eröffnung des Evang. Seniorenheimes Neumühle sowie Umbau des Pfarrtöchterheimes zum heutigen Stephanus-Gemeindezentrum mit Christlich Betreutem Wohnen und Diakoniestation.

1996
Modernisierung und Erweiterung des ehemaligen Kurzentrums zur Kiliani-Klinik mit Kurzentrum und Solehallenbad. Die Klinik bietet Kur- und Rehabilitationsaufenthalte unter Einsatz der natürlichen Solequellen.

1997
Neubau des Kur & Kongress-Centers (KKC). Das moderne Gebäude wird zu Silvester 1998 eröffnet und wird zum Herzstück des kulturellen und Kongresslebens in Bad Windsheim – mit Großem Saal für bis zu 1.500 Personen, Konferenzräumen und Veranstaltungsflächen.

1997–1999
Neubohrung einer Sole-Gewinnungsanlage zur Sicherstellung der langfristigen Soleversorgung für Therme, Kliniken und Kureinrichtungen.

1998
Beginn der Sanierungs- und Umbauarbeiten der mittelalterlichen Spitalkirche zum Museum „Kirche in Franken“ im Verbund mit dem Fränkischen Freilandmuseum. 2001 werden bei den Arbeiten bedeutende archäologische Funde zur Baugeschichte freigelegt.

1999–2000
Sanierung und Neugestaltung des Marktplatzes und der anschließenden Straßen. Bei den Bauarbeiten werden bedeutende archäologische Funde entdeckt, die die mittelalterliche Geschichte des Platzes dokumentieren.

2000
Erbohrung einer eisen- und kohlensäurehaltigen Thermalsole im Bereich des Hans-Schmotzer-Freibades. Das neue Thermalwasser mit rund 36 °C bildet die Grundlage für die spätere Franken-Therme.

2000–2001
Errichtung des „Archäologischen Fensters zur Stadtgeschichte Bad Windsheim“ – ein einzigartiges Schaufenster, durch das Besucher auf Ausgrabungen aus der Stadtgeschichte blicken können.

2001
Einweihung des sanierten und neu gestalteten Marktplatzes mit Präsentation der Grabungsfunde durch das „Archäologische Fenster“. Der Marktplatz wird zum neuen Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Bad Windsheim.

2002
Erbohrung einer zweiten eisen- und kohlensäurehaltigen Thermalsole neben dem Kur & Kongress-Center. Damit steht ausreichend Thermalwasser für den geplanten Bau der Franken-Therme zur Verfügung.

2005/2006
Eröffnung der Franken-Therme mit ihrem charakteristischen Salzsee – einer der wenigen Innensalzseen Deutschlands mit einem Salzgehalt von bis zu 6 Prozent. Gleichzeitig eröffnen der Hochseilgarten, der Phoenix-Reisemobilhafen, das Gradierwerk und die Kneippanlage im Kurpark. Bad Windsheim erlebt einen touristischen Quantensprung.

2006
Eröffnung des neuen Dr.-Hans-Schmotzer-Freibades sowie Einweihung der sanierten Spitalkirche als Museum „Kirche in Franken“ – nach jahrelangen Umbauarbeiten und dem Fund bedeutender archäologischer Schätze. Das Museum zeigt die Kirchengeschichte Frankens im Verbund mit dem Fränkischen Freilandmuseum.

Franz Daniel Pastorius

Franz Daniel Pastorius